HNO Heilkunde und Allergologie
Dr. med. Andreas Bodlien | Dr. med. Meike Lingner | Dr. med. Marc Kassuhn

Stimm- und Sprachstörungen

Die menschliche Stimme ist ein Phänomen von faszinierender und wundervoller Art. Sie gesund und klangvoll zu erhalten bzw. bei Erkrankung zu behandeln und zu heilen ist das Ziel unserer ärztlichen Behandlung. Unter Stimmstörungen (Dysphonien) versteht man unterschiedliche Erkrankungen der Stimme, die durch einen veränderten Stimmklang (z.B. Heiserkeit), Einschränkungen der stimmlichen Leistungsfähigkeit und subjektive Missempfindungen (z.B. Kloßgefühl, Räusperzwang) gekennzeichnet sind.

Man unterscheidet 3 Formen der Stimmstörung:

  • organische Stimmstörung
  • funktionelle Stimmstörung
  • psychogene Stimmstörung

Störungen der Singstimme (Dysodien) stellen eine Sonderform der Stimmstörungen dar.

Diagnostik

Nach Erhebung der Krankengeschichte, die neben persönlichen auch soziale, berufsbedingte sowie psychische Besonderheiten berücksichtigen sollte, findet folgende Stimmdiagnostik statt:

  • Hörbeurteilung der Sprechstimme (z.B. Rauhigkeit, Behauchtheit, Heiserkeit der Stimme)
  • Laryngoskopie und Stroboskopie des Kehlkopfs und der Stimmlippen Stimmfeldmessung


Bei der Laryngoskopie handelt es sich um eine endoskopische Untersuchung des Kehlkopfes und der Stimmlippen. Sie ermöglicht das Erkennen insbesondere organischer Krankheitsursachen des Kehlkopfes, wie z.B. Entzündungen, gutartige oder bösartige Kehlkopfveränderungen oder auch Lähmungen der Stimmlippen.

Bei der Stroboskopie handelt es sich um eine endoskopische Untersuchung des Kehlkopfes mit getriggerten Lichtblitzen, die eine verfeinerte Analyse der Stimmlippenschwingungen ermöglicht. So lassen sich Funktionsstörungen der Stimmlippenschwingungen, Veränderungen am freien Stimmlippenrand sowie Hinweise auf Tumorerkrankungen differenziert beurteilen.

Bei Stimmfeldmessungen handelt es sich um Messungen des Tonhöhen- und Dynamikumfanges der Stimme. Somit handelt es sich hier um eine wichtige Untersuchung für die Einschätzung von Therapieverläufen, die Beurteilung der Stimme vor und nach Operationen sowie zur Begutachtung der Sprech- und Sängerstimme.

Therapien

Medikamentöse Therapie
Eine medikamentöse Therapie kommt vor allem bei entzündlichen Stimmerkrankungen zum Einsatz. Vorrausetzung für eine effektive Therapie ist dabei, dass parallel zur Behandlung eine entsprechende Stimmruhe oder mindestens -schonung eingehalten wird. An Medikamenten werden vor allem eingesetzt: schleimlösende Präparate (Sekretolytica, zäher oder visköser Schleim wird so verflüssigt) abschwellende und befeuchtende Inhalationen (mit oder ohne Antibiotika bzw. Cortisonzusatz) entzündungshemmende Präparate (Enzympräparate, nichtsteroidale Antiphlogistika, ggf. bei bakteriellen Infektionen Antibiotika)

Stimmtherapie
Eine Stimmtherapie kommt vor allem bei funktionellen Stimmstörungen zum Einsatz. Vor Beginn einer Stimmübungstherapie sollten Kehlkopfentzündungen sowie allgemeine Atemwegsinfekte ausgeschlossen werden. Ziel der Therapie ist es mit entsprechenden Atem- und Lockerungsübungen, Summ-, Kau- und Resonanzübungen die gestörten funktionellen Abläufe der Phonation (wie z.B. eine zu gepresste oder zu schlaffe Stimmgebung) zu verbessern und umzustellen. Die Indikation zur Stimmtherapie wird nach geltendem Recht von einem Facharzt für Phoniatrie oder Pädaudiologie oder Facharzt für HNO-Heilkunde gestellt.

Operative Therapie
Die Stimmchirugie (Phonochirurgie) ist eine Operationsmethode, die der Verbesserung bzw. der Wiederherstellung der Stimme dient. Die Operationen finden in Vollnarkose statt und werden unter dem hochauflösenden Operationsmikroskop mit feinsten Spezialinstrumenten durchgeführt. Die Eingriffe erfordern ein Höchstmaß an Präzision, um die funktionelle Struktur der Stimmlippe zu erhalten bzw. zu rekonstruieren. Typische organische Erkrankungen, die einen stimmchirurgischen Eingriff erfordern, sind z.B. Stimmlippenzysten, -polypen, oder auch Stimmlippenödeme.

Phoniatrisches Gutachten

Auf Wunsch erstellen wir:

  • phoniatrische Gutachten für Sprechberufe (Schauspielschule, Schule für Logopädie etc.)
  • Tests der Belastbarkeit bei Sprechberufen (z.B. Lehrer, Erzieherinnen) 

Leider handelt es sich dabei um keine Leistung der Krankenkasse. Die Kosten werden nach dem Aufwand der Untersuchungen berechnet.

Sprachstörungen

Sprachauffälligkeiten im Kindesalter sollten frühestmöglich erkannt und nachfolgend behandelt werden. Dabei sind zu berücksichtigen:

  • Störungen der Aussprache (Dyslalie)
  • Störungen der Grammatik (Dysgrammatismus)
  • Eingeschränkter Wortschatz
  • Sprachentwicklungsstörungen und -verzögerungen
  • Sprachverständnisstörungen


Eine orientierende Diagnostik erfolgt in unserer Praxis, bei erforderlicher differenzierterer Diagnostik würden wir eine Weiterdiagnostik bei einem Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie empfehlen.

Sprechstörungen

Symptome einer Sprechstörung sind:

  • Schwierigkeiten mit dem deutlichen Sprechen/der Artikulation
  • Schwierigkeiten mit dem Redetempo (zu langsames oder zu schnelles Sprechen)
  • Schwierigkeiten mit der Sprechmelodie (zu abgehacktes oder monotones Sprechen)

Eine orientierende Diagnostik erfolgt in unserer Praxis, bei erforderlicher differenzierterer Diagnostik würden wir eine Weiterdiagnostik bei einem Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie empfehlen.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Bei Störungen der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung handelt es sich Störungen der Weiterleitung und Information bei normalem Hörvermögen im Bereich des Sinnesorganes Ohr. Betroffen sind Teilfunktionen der Hörleistung wie z.B.

  • auditive Aufmerksamkeit
  • auditive Merkfähigkeit
  • Richtungshören
  • Hören im Störgeräusch


Eine orientierende Diagnostik erfolgt in unserer Praxis bei Kindern im Vorschulalter. Bei erforderlicher differenzierterer Diagnostik würden wir eine Weiterdiagnostik bei einem Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie empfehlen.

Neugeborenen-Hörscreening

Schwerhörigkeiten treten bei 1-2 pro 1000 Neugeborenen auf, bei Risikogeburten liegt die Häufigkeit entsprechend höher. Entscheidend für die weitere Entwicklung des Kindes, insbesondere die Sprachentwicklung, ist es, dass die Schwerhörigkeit so früh wie möglich, am besten im ersten Lebenshalbjahr diagnostiziert wird. Davon hängt sowohl die soziale und emotionale Reifung als auch die spätere Schul- und Berufskarriere des betroffenen Kindes ab.

Durchführung objektiver Hörprüfungen

  • Messung otoakustischer Emissionen (TEOAE und DPOAE)
  • Ableitung akustisch evozierter Potentiale (BERA)
  • Impedanzmessung mit Tympanometrie und Stapediusreflexschwelle

Bei auffälligen Befunden werden durch unsere Praxis die folgenden weiteren Schritte veranlasst:

  • ggf. erforderliche Weiterleitung in ein spezialisierte Zentrum für Phoniatrie und Pädaudiologie zur Durchführung einer frequenzspezifischen Notch Noise BERA in Sedierung
  • Einleitung einer hörgeschädigtenspezifischen Frühförderung (Zusammenarbeit mit dem Landesbildungszentrum für hörgeschädigte Kinder Braunschweig, LBZH) www.lbzh-bs.de
  • Elternberatung
  • Ursachenabklärung mit Weiterleitung zur interdisziplinären Diagnostik

 

Weitere Informationen:
www.hno-aerzte-im-netz.de